Das Gehör ist das aufwendigste Sinnessystem des Menschen (audire = hören). Man unterscheidet das periphere und das zentrale Hören (Esser 1994).
Beim peripheren Hören erreicht der Schall über die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang das Trommelfell, das zusammen mit den nachgeschalteten Gehörknöchelchen die Schwingungen des Schallsignals nachvollzieht. Das Mittelohr transformiert den Schall so, dass er fasst ohne Energieverluste in die Flüssigkeitsräume der Innenohrschnecke (Cochlea) eintreten kann.
Der Hörnerv verläuft von der Innenohrschnecke bis zum Hirnstamm. Die zentrale Hörbahn zieht von dort aus zum Mittel– und Zwischenhirn und letztlich hin zum primären Hörzentrum auf der Großhirnrinde. Die Erregung des primären Hörzentrums ist jedoch noch nicht das, was wir gemeinhin unter „Hören“ verstehen.
Hören im Sinne von Erkennen und Wahrnehmen
wird erst durch weitere Verarbeitungsprozesse
möglich, die aus Verbindungen
des primären Hörzentrums zu den
so genannten Projektionsfeldern resultieren.
Eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung liegt dann vor, wenn zentrale Prozesse des Hörens beeinträchtigt sind (Ptok et al. 2000).
Die zentrale Weiterleitung und Verschaltung
von Nervenimpulsen zwischen Hörnervenkern
und primärer Hirnrinde, d.h. zentraler
Hörbahn wird beeinträchtigt. Es liegt
eine Störung der Nervenfasern zwischen
Hörnervenkern (Nucleus cochlearis) und primärer
Hörrinde vor.
Sie findet in der Großhirnrinde bis hin zu den Sprachzentren statt. Die im Anschluss an die Verarbeitung stattfindende Aufbereitung und Auswertung der Nervenimpulse im Kortex (sekundäre und höhere Zentren des Gehirns) ist eingeschränkt.

(Es handelt sich lediglich um ein Konstrukt, also eine willkürliche Annahme einer bestimmten Art und Anzahl von Teilfunktionen.)
Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen haben gravierende Auswirkungen auf die Entwicklung und Leistungsfähigkeit eines Kindes.
Ein Kind, das zwischen stimmhaften und
stimmlosen Konsonanten
(b und p, d und t,
g und k oder auch t, k und p) nicht klar unterscheiden
kann, wird auch bei der Produktion
entsprechender Laute Schwierigkeiten haben.
Das Auftreten von Aufmerksamkeitsmängeln und Konzentrationsschwächen ist ebenso einleuchtend.
Ein Kind, das Probleme hat, die wesentlichen akustischen Signale aus unserer vielfältigen lautlichen Umwelt schnell, automatisch und sicher herauszuhören, muss sich auf akustische Informationen stärker konzentrieren und wird dementsprechend schneller ermüden.
Für die Schulsituation bedeutet dies Konzentrationsstörungen. Es können im Laufe der Zeit allgemeine Lernstörungen auftreten. Darüber hinaus kann es zu Missverständnissen in der sozialen Interaktion kommen. Ein Kind, das Situationen falsch versteht, reagiert inadäquat und kann somit als verhaltensgestört klassifiziert werden.
Die gezielte Behandlung zur Aufarbeitung einer auditiven Verarbeitungs– und Wahrnehmungsstörung wird u.a. von spezialisierten akademischen Sprachtherapeuten (dbs) und / oder staatlich anerkannten Logopäden durchgeführt.